• Journalismus und Einblicke zweier Kulturen...

    Das Taschengeld

    Wenn Sie also im Juwelierladen einen Achtjährigen dabei beobachten, wie er seine EC-Karte auf den Tresen flippt, hat er sie nicht zwangsläufig vorher seiner Oma geklaut. Es kann durchaus seine eigene sein. Der Juwelier wird vermutlich trotzdem nichts rausrücken. Viele Händler haben eine selbstgesetzte Grenze von etwa 20 Euro vereinbart, über der sie nichts an Kinder abgeben, die ohne ihre Eltern einkaufen, auch wenn es deren eigenes Geld ist…

    Salta, San Lorenzo und Weinspritzer

    Reisen wie mit 20 (Teil IV)

    Es war fast Mittag und es gab reichlich in einheitliche weiße Kittel gekleidete Schülergruppen, die sicherlich auf dem Heimweg waren. Salta, wenn auch kolonial, hatte etwas von einer großen Stadt aus dem bolivianischen Süden oder dem chilenischen Norden: Hauptstraßen voll lärmendem Handel und ruhigen Geschäften, in denen die Zeit stehen geblieben zu sein schien. Ich konzentrierte mich auf die hübschen Frauen, die die Kraft eines Erdbebens in ihrem Blick einzufangen schienen. Am Nachmittag besuchten wir ein paar interessante historische Stätten. Vor allem aber suchten wir Schatten in der Vergangenheit auf der Flucht vor der Sonne der Gegenwart, die einen zwang, an einem kühlen Ort Zuflucht zu nehmen…

    Winterwochenende

    Was die Aktivitäten am Wochenende in der kalten Jahreszeit angeht muss man wissen, dass es in Deutschland zwei Winter gibt: den vor und den nach Weihnachten. Im Ersteren – für viele der Unterhaltsamere – geht man am Wochenende sehr gerne auf Weihnachtsmärkte. Der zweite Winter, der nach Weihnachten, ist langweiliger. Dass die schönere Hälfte des Winters vorbei ist, merkt man daran, dass die Bundesliga in die Winterpause geht. Die klassische Indoor-Beschäftigung bei niedrigen Temperaturen ist das Museum…

    Andenzuggeschichten

    Reisen wie mit 20 (Teil III)

    Unser Zug fuhr stetig bergab und wand sich zwischen Wänden aus rötlicher Erde und Steinen hindurch. Manchmal fuhren wir über kurze enge Passagen und manchmal grüßte uns ein dunkler Fluss, der uns mit dem Glitzern seines Wassers zu begleiten schien. Die Berge nahmen bereits Farbe an, während ihre Schatten von der Sonne verschlungen wurden. Die Cañons und die steilen Wände verschlangen uns. Ein wolkenloser Himmel im morgendlichen Blau, das dem Licht langsam nachgab. Wir vernahmen die Stahlschlange in vollem Gange. Die versprochene Landschaft lag vor uns: „Am Río de La Plata“ und seine ganze Szenerie…

    Das Abendbrot

    Brot ist das zentrale Nahrungsmittel beim „deutschen Abendbrot“. Gegen 18:00 Uhr, zwischen der letzten Stunde des Nachmittags und der ersten des Abends, nimmt es am Tisch Platz – in einem kleinen Körbchen. Das Brot erscheint in dünnen Scheiben, begleitet von einem Teller mit Wurst und Käse, einem anderen mit Vitaminen in Form von Gurken, Tomaten oder Rübchen. Auch eine Pastete darf dabei sein, aus Geflügel oder Gemüse…

    Mit dem Rucksack und Bus auf der bolivianischen Hochebene

    Reisen wie mit 20 (Teil II)

    Der Nachmittag strahlte vor Sonne und die Temperatur im Bus heizte sich auf. Wir fuhren weiter, ohne das Stadtgebiet von El Alto zu verlassen, allerdings kamen wir jetzt schneller voran auf einer Straße, die von hohen, unverputzten Backsteinhäusern und anderen, niedrigeren und ärmlicher wirkenden Häusern gesäumt war, Wohnstätten aus Lehmziegeln und mit politischen Manifesten bekritzelte Wände. Ich ging davon aus, dass das wohl so sein musste: In Bolivien atmet man die Politik ein und die Mauern der armen Viertel schwitzen Parteilichkeit aus…

    Reisen wie mit 20

    Reisen wie mit 20 (Teil I)

    Es war Dezember 2012 und ich hatte den Rucksack bereits parat. Von La Paz aus über Oruro und den Salzsee von Uyuni in Bolivien, Salta und Buenos Aires in Argentinien bis Colonia del Sacramento in Uruguay. Über 2.500 Kilometer auf Straßen, Schienen und Flüssen. Zu Beginn dieser Fahrt war es unmöglich abzusehen, dass das Schicksal uns kurz vor Weihnachten als ein Augenzwinkern bzw. Geschenk des Lebens eine „biblische Erfahrung“, im Format des 21. Jahrhunderts, bereit halten würde. Aber jetzt lieber Schritt für Schritt…

    „Ruhm“ von Daniel Kehlmann

    Daniel Kehlmann, den man auch verfilmt hat, nur mühsamer, traut sich hingegen, seine Figuren wieder mit Gefühlen zu beschreiben: Jemand „wundert sich“ und rollt nicht „mit den Augen“, in einem anderen „flammt Empörung auf“ und er ballt nicht „die Faust“…

    Deutsch: dominierende Fremdsprache in Bolivien?

    Nach 62 Jahren, in denen sich die demografischen Statistiken des Landes nicht um Fremdsprachen kümmerten, brachte die Volkszählung 2012 eine Überraschung und eine Neuheit: Deutsch ist die in der Kindheit meist gelernte Sprache und die zweithäufigst gesprochene Fremdsprache im neuen Plurinationalen Staat Bolivien, ein Land, in dem 36 einheimische Sprachen gesprochen werden und 28 Fremdsprachen präsent sind…

    Wie futsch ist Köln?

    Während großer Veranstaltungen gibt es „zeltartige Schutzzonen für Frauen“, in die man sich zurückziehen kann. Es hängen jetzt überall diese Plakate: „Taschen zu und Augen auf“. Etwas mit der „Schreckensnacht von Köln“ Vergleichbares will man zukünftig mit aller Macht verhindern. In dieser Hinsicht sind sowohl Frauenverbände als auch Polizei zuversichtlich. Davon profitieren jedoch weniger die Touristinnen als die gesamte deutsche Gesellschaft…

    Daniel Kehlmann: „Die Vermessung der Welt“

    Eine Zeitreise durch 16 Kapitel, in der die bedeutendsten Ereignisse, Orte und Leidenschaften im Leben zweier historischer Persönlichkeiten angeführt werden: Alexander von Humboldt und Carl Friedrich Gauß. Daniel Kehlmann präsentiert diese beiden Figuren in sich abwechselnden Episoden, aber einer fortlaufenden Geschichte, in der mehr als ein Höhepunkt erreicht wird. Für den Expat beschreibt das Buch Situationen und Empfindungen wie die von Menschen, die lange Zeit von ihrer Muttersprache und Kultur distanziert leben, und für den Reisenden des 21. Jahrhunderts eröffnet sie Szenarien, die noch immer Fantasien wecken. So hält „Die Vermessung der Welt“ dem Lauf der Zeit stand und bleibt ein Buch, das die Magie lebendig hält…

    Vom Pauker zum Lern-Consultant

    Lernen in Digitalien (Teil III)

    Wenn sie von Digitalisierung sprechen, verwenden Poltiker gerne den Begriff „Chancengerechtigkeit“. Zugegebenermaßen können einige bestehende Unterschiede nivelliert werden: Auf dem Land kann beispielsweise die gleiche Vielfalt an Lernprogrammen angeboten werden wie in der Stadt. Soviel zu den Möglichkeiten. Gleichheit könnte auf der Ebene der Länder und Staaten tatsächlich erreicht werden, wenn weltweit jedem Kind gleicher Zugang zu allem verfügbarem Wissen gewährt werden würde. Dies würde im übrigen auch den Übergang zu internationalen Studiengängen erleichtern. Doch davor stehen noch viele Fragezeichen…

    Lateinamerika und Bolivien im Berliner Audio

    Lateinamerika erneuert sich in seiner Musik und die bolivianischen Klänge – vor allem die von La Paz – geben bei Radio Byte in Berlin, im Programm Beleza, durch das die Journalistin Camila Hildebrandt führt, den Ton an. Bei einem ihrer Besuche verschiedener Länder des Kontinents führte sie ein Interview mit Catalina García, der Stimme von Monsieur Periné, einer kolumbianischen Band, die von den Latin Grammy Awards als „Bester neuer Künstler 2015“ ausgezeichnet wurde. Seit dieser Preisverleihung nähert sich Beleza der neuen lateinamerikanischen Musikszene, wo die Bolivianer Nación Rap, Efecto Mandarina und Mayra Gonzales gehört werden…

    Solidaritätsläufe auf 3.600 m

    Es ist nicht einfach in La Paz auf Läufe zu setzen. Es gibt nur wenige breite und flache Straßen: in weiten Teilen geht es auf und ab. Meistens beides in einem Straßenblock. Sogar in den beliebtesten Vierteln gibt es Straßen, die nicht asphaltiert sind. Auf gepflasterten Straßen zu laufen kann dazu führen, dass man stolpert und sich verletzt. Ganz abgesehen von den 3.600 m, auf der die Stadt liegt, oder der trockenen Luft, die im Hals brennt, wenn man im Winter läuft…

    Das geflippte Klassenzimmer

    Lernen in Digitalien (Teil II)

    Nach alter Ordnung wird neuer Stoff in der Schule erklärt und in den Hausaufgaben, alleine, geübt. Schüler, die den Stoff nicht gut verstanden haben, sitzen den Übungsaufgaben zu Hause frustriert und ohne Hilfe gegenüber, geben auf und kommen unvorbereitet in den Unterricht. Anders herum, im Flipped classroom, erarbeiten sich die Schüler ein neues Thema zu Hause anhand von Internetrecherchen oder Lernvideos auf YouTube, die sie jederzeit ansehen, stoppen und wiederholen können. Fragen dazu bringen sie am nächsten Tag in den Unterricht mit, wo sie das neue Wissen üben, mit dem Lehrer als kompetentem Berater an ihrer Seite…

    Im Lama-Schritt

    Wenig geschätzt seit der Zeit der spanischen Eroberung hat das Lama glama in der Wertschätzung des aktuellen internationalen Marktes nur schlechte Noten erhalten: weder seine Faser ist fein genug, um es in die großen Häuser der Haute Couture zu schaffen, noch wird sein Fleisch ausreichend geschätzt, um mit seiner Cousine, dem Lama pacus oder Alpaka, auf dem Tisch zu konkurrieren. Seit der Inkazeit diente das Lama als Lasttier und das war auch bis heute noch sein wichtigster Vorzug, bis die Reflektoren des Klimawandels und die Medizin es ins Rampenlicht zu rücken scheinen und es als einen der Retter des andinen Ökosystems und den großen Heiler von HIV hinstellen…

     

     

     

     

     

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