• Journalismus und Einblicke zweier Kulturen...

    Andrea Trapp: Scheren und Tango

    Andrea Trapp, geboren in Bayern und seit 1998 unter den Paceños weilend, erzählt uns von  ihrer Begeisterung für die Scheren, ihrem Leben und der Kleiderfertigung sowie von ihrer Leidenschaft für den Tango. 15 Jahre Bolivien

     

    In Handarbeit gefertigte Kleidungsstücke, gewissermaßen Unikate, so definiert Andrea Trapp die Kleidungsstücke, die sie in ihrer häuslichen Schneiderwerkstatt im Viertel Bolonia, im südlichen Teil der Stadt La Paz gelegen und weit entfernt von dem städtischen Rummel, anfertigt. Dort experimentiert sie mit Schere und Textilien seit über 10 Jahren, als ihre Begeisterung für die Schneiderei erwachte, eine Neigung, die sie möglicherweise schon seit ihrer Kindheit in sich trug.

    Colección utilitariosIhr Enthusiasmus für die Nadeln hatte jahrelang geschlummert. Geboren in Weiden Oberpfalz, nahe der Grenze zur Tschechischen Republik, beschäftigte sie sich schon im Alter von 15 Jahren mit der Anfertigung von Kleidungsstücken. Mit einer Schneiderausbildung unterm Arm machte sie Anfang der 80er Jahre ein Praktikum in Manchester (England). „Nur Englisch sprechen zu müssen war für mich eine Erleichterung, denn so konnte ich endlich meinen Dialekt los werden“, sagt sie amüsiert, als sie über jene Jahre und ihren damals so starken regionalen Akzent spricht. Danach folgte das „Abenteuer“ in Afrika, in Kapstadt (Südafrika), wo sie für den deutschen Hersteller von Damenunterwäsche Triumph International arbeitete. Soweit die industrielle Erfahrung mit der Schere. Danach sollten ruhigere Jahre in Ekuador und Deutschland kommen… bis es sie in Begleitung ihres Mannes, der als Lehrer entsandt wurde, nach Bolivien verschlägt. Kaum in der Stadt niedergelassen, engagierte sich Andrea auch schon für ein soziales Projekt (die Stiftung Arco Iris), das sie mit dem unterstützte, was sie bis dahin am besten konnte: schneiden und eine Verwendung für Textilien finden. Wieder auflebende Begeisterung, erneuerte Berufung.

    Von da an unterstützte sie – nun ganz auf sich allein gestellt – mit Kostümen verschiedene Theaterproduktionen (Deutsche Schule La Paz) sowie Tanzproduktionen, die auf der Bühne des “Teatro Municipal” in La Paz zu sehen waren. So wurde aus einem anfänglichen Zeitvertreib eine Geld einbringende Beschäftigung. Von diesem Moment an fand das Abenteuer Schere an vier Fronten statt: T-Shirts, Taschen, Theaterkostüme für Kinder und seit kurzem in Auftrag gegebene Kleidungsstücke, von denen vor allem die Dirndl zu nennen sind, die sie für die Oktoberfest begeisterten Freundinnen näht.

    „Eigentlich sollte ich mich auf eine einzige Linie beschränken. In diesem Sinne bin ich eine Chaotin….es wäre besser, wenn ich mich nur mit diesem oder nur mit jenem beschäftigen würde, aber es gibt eben Tage, da bin ich inspirierter, Taschen oder eben Mäntel anzufertigen“, erzählt sie in einem Ton, der für diejenigen  typisch ist, die sich selbst humorvoll kritisieren.

    Farben, Glitzer, Fantasie

    Ihre Kleidungsstücke zeichnen sich durch ihre originellen und unerwarteten  Kombinationen aus, sowohl hinsichtlich der Farben als auch der Textur und des Materials. Andrea gesteht uns, dass ihr das Nähen besonders viel Spaß macht, wenn die Kleidungsstücke bei der Mischung der Materialien einen gewissen Touch Fantasie erfordern. „Ich mag Texturen, Samt, Glitzer… vielleicht lasse ich mich deswegen gerne auf das Artistische, das Theater oder den Tanz ein“, fügt sie hinzu.

    Die Stoffe, die hier in La Paz auf dem Markt sind, werden von den Herstellern von Schultertüchern und Röcken genutzt, um die Nachfrage der traditionell gekleideten Frauen aus dem bolivianischen Hochland zu decken. Aber, „wenn man sucht und immer wieder sucht, ist es durchaus möglich, Stoffe zu finden, die sehr gut für die Herstellung von Blusen, Mänteln, Kissenbezügen, Taschen oder was einem sonst noch so einfällt, geeignet sind. Meistens sind es auffällige Stoffe und das ist genau das, was ich suche, vor allem, wenn Kleidungsstücke gefragt sind, die auf die Bühne sollen“, sagt sie uns mit leuchtenden Augen.

    Leidenschaft für den Tango…

    Und die Liebschaften? Andrea schmunzelt, denn sie weiß, dass sie noch ein Ass im Ärmel hat: ihre Leidenschaft für den Tango. Diesem Rhythmus fast zufällig verfallen, tanzt sie bereits seit 10 Jahren. „Zunächst selber tanzend und jetzt auch unterrichtend“, erklärt sie uns beschwingt.

    Wenn man sie so hört wird sofort klar, dass das mit dem Tango in ihr etwas Leidenschaftliches ist. „Tango tanzen hat mit deinem Köper zu tun, denn du beginnst, dir der Möglichkeiten deines Körpers bewusst zu werden. Es ist, als würdest du wieder laufen lernen; es hat mit der Konzentration für die Schritte und deinen Partner zu tun; mit dem Achten auf dein Äußeres, denn du lässt es nicht zu, immer nur Jeans zu tragen, denn an dem Tag, an dem Tango auf dem Programm steht, ziehst du etwas Besonderes an, um tanzen zu gehen; es hat mit Familie zu tun, denn das sind wir unter den Tangotänzern, wir reden über unsere Angelegenheiten, wir helfen uns, wir wechseln Tanzpartner, es ist eine andere Form des Kennenlernens, die Nähe und Respekt für deinen Tanzpartner und die Gruppe voraussetzt. In die Welt des Tangos einzutreten ist wie für zwei Stunden in eine andere Dimension einzutauchen, eine Dimension, in der es egal ist, wie viel du hast, sondern wie du dich bewegst“, erklärt sie uns in einem Ton, der vielleicht ausdrucksstärker ist als ihre Worte selbst.

    Ein bewegtes Leben, intensiv und voller positiver Energie und Projekte, so ist das Leben von Andrea Trapp, mit Erinnerungen und Geschichten, zugeschnitten in Europa, Afrika und Südamerika.

    Teresa Torres-Heuchel
    Übersetzung:  Antje Linnenberg 

     

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